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Antrag Wenden „Maßnahmen zum Schutz von Insekten und Vögeln“

Unter die Flügel greifen – kommunale Maßnahmen zum Schutz von Insekten und Vögeln

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Clemens,

die Fraktion Bündnis90/Die GRÜNEN im Rat der Gemeinde Wenden beantragt:
im Rahmen der Erstellung eines integrierten Maßnahmenkonzeptes zum Schutz von Insekten und Vögeln werden von der Gemeinde Wenden in einem ersten Schritt folgende Maßnahmen ergriffen:

  1. Anlegung bzw. Optimierung von möglichst nährstoffarmen (oligotrophen) Blühflächen und –streifen auf Kreisverkehren, Straßenrändern und –banketten und sonstigen ungenutzten kommunalen Grünflächen unter Verwendung einheimischer Saatmischungen
  2. Insektenfreundliche Gestaltung, Vernetzung und Pflege von öffentlichen Ausgleichsflächen u.a. durch:
    a. Schaffung von Nistmöglichkeiten zum Beispiel durch Belassung von Totholz
    b. Einsaat einheimischer Wildblumen und Kräuter und Anpflanzung von Büschen und Bäumen als Nahrungsgrundlage
    c. maßvolles zeitlich versetztes Mähen immer nur maximal der halben Fläche
  3. Verzicht auf die Verwendung von Pestiziden bei der Pflege kommunaler Flächen
  4. Teilnahme einheimischer Landwirte an Förderprojekten:
    a. Landwirtinnen und Landwirte sollen direkt von der Gemeinde zur Teilnahme an Förderprojekten, die dem Naturschutz dienlich sind, angeregt werden, mit dem Ziel der Ausweitung von Blühstreifen oder Blühflächen im Rahmen der markt- und standortangepassten Landbewirtschaftung.
  5. Sensibilisierung und Motivation der Bürgerinnen und Bürger mit Privatgärten/Balkonen:
    a. Beratung zur Insekten- und Vogelfreundlichen Gestaltung
    b. Auslobung eines Wettbewerbes „Bienengerechter Garten“ zum Beispiel in Anlehnung an die Initiative „Deutschland summt“.

Begründung:

1. Bienensterben:
Die Veränderungen unserer Kulturlandschaften durch die intensivierte Landwirtschaft haben die Lebensbedingungen der blütenbestäubenden Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Überdeutlich ist dies an den hohen Verlusten der Honigbienenvölker in den letzten Jahren zu erkennen. Die Sterberate von Honigbienen lag in den vergangenen Wintern bei bis zu 30%. Als Ursachen werden von Fachleuten neben dem Klimawandel und damit zusammenhängend der vermehrten Anfälligkeit gegenüber Krankheiten (insbesondere gegenüber Parasiten), die Verwendung von Pestiziden besonders von Insektenvernichtungsmitteln genannt. Außerdem werden einheimische Blühpflanzen als Nahrungsgrundlage von den Ackerrändern, den öffentlichen Grünflächen und auch den privaten Gärten zunehmend verdrängt.
Insekten insbesondere Bienen sind für die Bestäubung zahlreicher Kulturpflanzen notwendig. Ohne sie ist mit einem massiven Rückgang der Produktion dieser Kulturpflanzen zu rechnen.
Wenn das Sterben nicht gestoppt wird, werden viele Obst- und Gemüsesorten in Zukunft auf unserem Speiseplan fehlen.

2. Stummer Frühling:
Laut Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von Bündnis90/Die GRÜNEN aus Mai 2017 wird ein Rückgang von 300 Millionen Vogel-Brutpaaren in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt. Auch in unserer Heimat werden Meise, Sperling, Schwalbe und Co. immer seltener. Dies hängt mit dem Verlust des Strukturreichtums und damit dem Rückgang der Biodiversität auf Acker, Forst und Garten (siehe das Insektensterben) zusammen.
In der o.g. Antwort Bundesregierung heißt es dazu: „…Zu Ökologischen Vorrangflächen liegen inzwischen erste überwiegend auf qualitativen Einschätzungen basierende Ergebnisse vor. Demnach haben Brachen, Blühflächen und Streifenelemente positive Effekte für die Biodiversität und auch für einige Vogelarten….“

Vor diesem Hintergrund sieht es die Fraktion Bündnis90/Die Grünen als dringend geboten an, dass die Gemeinde Wenden alles tut, um dem Insektensterben und dem Rückgang der Vogelpopulationen mit ihren Mitteln entgegen zu wirken. Die Entwicklung eines integrierten Maßnahmenkonzeptes zum Schutz von Insekten und Vögeln und auch die beantragten ersten konkreten Maßnahmen sind deshalb notwendig.